Hotline einrichten für kleinen Bedarf (VoIP, Mobiltelefon, Skype)

Vernetzung und Austausch von Helfergrupppen in der Schweiz
abg
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Hotline einrichten für kleinen Bedarf (VoIP, Mobiltelefon, Skype)

Beitrag von abg »

Im Diskussionsforum von hilf-jetzt.ch ist vermehrt die Frage aufgekommen, wie man eine telefonische Hotline aufsetzen kann. Die Idee ist, dass der Umfang sich in einem überschaubaren Rahmen hält und kein Call-Center mit x-Plätzen betrieben werden soll.

Diskutiert werden dabei:

1.) Smartphone mit Prepaid oder Abo, ggf. ein Tarif, der kostenlose Weiterleitungen ermöglich.
Vorteile: schnell und einfach aufgesetzt, geringe technische Kenntnisse erforderlich
Nachteile: Mobil-Nummer mit relativ hohen Kosten für die Anrufer, Telefon muss an die "diensthabende" Person physisch weitergegeben werden ODER es muss jeweils physisch eine Umleitung angelegt werden, nicht mehrere Gespräche gleichzeitig möglich (oder?)

2.) Eine lokale Festnetznummer bei einem VoIP-Anbieter
Vorteile: Sehr flexibel, Helfer können sich selbst in die Hotline einbuchen und diese verlassen, dezentral
Nachteile: Einrichtung und Pflege erfordert ein gewisses Mass an technischer Kenntnis (oder Willen, sich damit auseinander zu setzen)

3.) Skype mit Anbindung an eine Festnetznummer
folgt (nutze ich nicht)

abg
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Re: Hotline einrichten für kleinen Bedarf (VoIP, Mobiltelefon, Skype)

Beitrag von abg »

Variante 1: Mobilfunk-SIM mit Smartphone als Hotline nutzen
z.B. Aldi Talk mit Option Smart S für 14.90 CHF pro Monat und unlimiterter Telefonie -> Weiterleitung eingehender Anrufe auf Helfer-Telefone - so jedenfalls ein Tipp in der Chat-Gruppe von https://hilf-jetzt.ch. Ich habe das nicht selbst ausprobiert.

Die Weiterleitung kann entweder über das Menü des Telefons oder über Steuercodes eingerichtet werden. Eine Übersicht über die Codes gibt es z.B. auf https://www.teltarif.de/mobilfunk/rufum ... codes.html . Ob die im jeweiligen Netz und dem gewählten Tarif dann auch funktionieren, müsst ihr ausprobieren.

In der Regel wird man wohl für eine Hotline alle Anrufe sofort auf eine andere Nummer weiterleiten. Das bedeutet bei normalen Abos, dass es nur eine Zielnummer zur jedem Zeitpunkt gibt und dass eine Mailbox/Combox dann bei dem letzten Zielgerät aktiv sein muss, wenn man eine nutzen will.

Die Änderung der Umleitung erfordert, dass dies am Gerät mit der SIM durchgeführt wird, was für verteiltes Arbeiten eher unpraktisch ist. Grundsätzlich können die Mobilfunk-Anbieter auch die Steuerung von Umleitungen über das Web ermöglichen - ich weiss aber nicht, ob und welcher Anbieter das in welchen Abos tatsächlich macht. Weiss jemand mehr? Dann bitte antworten!

Theoretisch könnte man eine Mobilnummer auch auf eine Festnetznummer mit einer kleinen Telefonanlage (Fritzbox) weiterleiten und von der Anlage dann weiterleiten an Helfer-Telefone. Und gleich noch eine zentrale Combox auf der Fritzbox einrichten... Allerdings steigen dann auch die Fehlerquellen und ihr solltet bedenken, dass auch der Admin eurer Telefon-Lösung krank werden könnte. Macht es daher nicht komplizierter als nötig.

abg
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Re: Hotline einrichten für kleinen Bedarf (VoIP, Mobiltelefon, Skype)

Beitrag von abg »

Variante 2: Eine lokale Festnetznummer bei einem VoIP-Anbieter

Voice over IP (VoIP) bezeichnet die Telefonie über das Internet. Ein Standard, der sich in der Festnetztelefonie inzwischen komplett durchgesetzt hat, auch wenn der normale Benutzer davon meist gar nichts bemerkt.

In der Schweiz gibt es eine Reihe von Anbietern, die Festnetznummern aus (fast) allen Vorwahlgebieten zur Verfügung stellen. Anrufe auf diese Festnetznummern landen dann auf dem Server des Anbieters und werden an die Geräte des Kunden weitergeleitet, die auf dem Server des Anbieters angemeldet sind. In der Regel können daher auch auf einer Rufnummer mehrere Endgeräte gleichzeitig angemeldet sein und es können in der Regel auch mehrere Gespräche gleichzeitig geführt werden. Achtung: je nach Tarif ist die Anzahl der einbuchbaren Geräte limitiert (bei www.netvoip.ch im kostenlosen Tarif zum Beispiel auf 5 Geräte.

Schaut vorher, was Ihr benötigt und in welchem Tarif das verfügbar ist: z.B. Mailbox, Anzahl der einrichtbaren Endgeräte, gleichzeitg führbare Gespräche, Kosten, Freischaltung der Rufnummer bei Registrierung oder erst nach Zahlungseingang?

Mögliche Anbieter: www.netvoip.ch www.winet.ch
www.sipcall.ch www.peoplefone.ch

Für eine schnelle Inbetriebnahmer einer solchen Telefonnummer ist es zunächst einmal wichtig, dass eingehende Rufe angenommen werden können. Das geht bei einigen Anbietern sofort nach der Registrierung und ohne dass erst Geld aufgeladen werden müsste.

Einrichtung beim VoIP-Anbieter
Hier exemplarisch www.netvoip.ch:
- Konto bei netvoip anlegen und Nummer(n) auswählen - erfordert einen persönlich verantwortlichen Ansprechpartner, eine Mail-Adresse und ein Kenntwort. Gewählter Login in Passwort gelten für den Kunden-Login beim Anbieter - diese Daten werden nicht in die Telefone bzw. Telefonie-Apps eingetragen!!!
- Unter Konfiguration - Geräte/Zugangsdaten neue Geräte(=Telefone bzw. VoIP-Clients auf dem PC oder sonstwo) einrichten. Jedes Gerät bekommt seine eigenen Zugangsdaten, d.h. eigene PIN-Codes (Passwörter).
- Unten stehen die relevanten Zugangsdaten: SIP-Server und Proxy sind sip.netvoip.ch, der Port ist 5060 (Standard für VoIP).

Einrichtung auf dem Smartphone (Android)
Für das Smartphone gibt es eine Reihe von VoIP-Apps, teilweise ist auch schon im Android-System etwas verfügbar (unter Einstellungen - Telefon bzw. SIM-Karten bzw. Telefonie - je nach Hersteller des Smartphones sind die Bezeichnungen unterschiedlich). Bewährt hat sich jedoch die App Zoiper (Google Play Store: https://play.google.com/store/apps/deta ... p&hl=de_CH )

Unter Einstellungen - Konten wird ein neuer SIP-Account angelegt. Die Anmeldedaten übernimmt man einfach:
Host = sip.netvoip.ch
username = Benutzername für das Gerät
Password = PIN für das Gerät (nicht das Passwort für den Verwaltungszugang beim VoIP-Anbieter!)

Im Normalfall reicht das bereits aus, da ein Proxy idR nicht notwendig ist und der Standard-Port 5060 verwendet wird.

Wenn in der Statusleiste ein Haken erscheint, steht die Verbindung. Dann Testanruf tätigen und mindestens eine Minute telefonieren!!! Wenn das klappt, das nächste Gerät einrichten.

Optionale Einstellungen in Zoiper / Troubleshooting
-Einstellungen - Konten - SIP-Account - Codec-Einstellungen: wer auf Nummer sicher gehen will, wählt GSM und deaktiviert alles andere. Vorteil: die Daten müssen bei einem Telefonat nicht von einer Technik in eine andere Technik übersetzt werden, weil den GSM-Codec jeder Anbieter im Sortiment hat. Ausserdem: geringe Datenmenge. Nachteile: Gesprächsqualität ist nur auf dem Level von Mobiltelefonen. Alternativen sind uLaw und aLaw, was der ISDN-Qualität entspricht, aber mehr Daten braucht.

- Einstellungen - Konten - SIP-Account - Netzwerkeinstellungen:
-- Transport: UDP (Standard)
-- NAT: STUN benutzen: falls keine Gespräche aufgebaut werden können oder diese nach kurzer Zeit abbrechen: use default (Zoiper-STUN-Server) oder use custom mit STUN-Server = stun.ekiga.net , STUN-Port: 3478 , STUN-Aktualisierung = 30

Weitere STUN-Server: https://gist.github.com/mondain/b0ec1cf5f60ae726202e

Akku-Verbrauch
Achtung! Wenn ein Smarphone in der Lage sein soll, Anrufe entgegen zu nehmen, dann ist es permanent aktiv - ggf. wird der energiesparende Sleep-Modus des Telefons damit verhindert. Das hat einen erhöhten Akku-Verbrauch zur Folge. Also dafür sorgen, dass ein Ladegerät und ggf. eine Powerbank griffbereit ist!

Hinweise: Fritzbox
Auch in den verbreiteten Fritzboxen lässt sich eine VoIP-Nummer einprogrammieren (Telefonie - Rufnummern). Nach meiner Erfahrung sehr zuverlässig funktioniert das, wenn man die Fritzbox auch als DECT-Basistation für schnurlose Telefone verwendet (oder ein kabelgebundenes Telefon an die Fritzbox angschliesst). Weniger gute Erfahren habe ich mit der Telefonie über ein WLAN-Gerät gemacht (also Fritz-Fon-App oder Zoiper mit Verbindung zur Fritzbox statt direkt zum VoIP-Anbieter).

Hinweis Mobilfunk und VoIP
Um per VoIP-Nummer auch unterwegs erreichbar zu sein, muss ein entsprechender Datentarif auf der SIM-Karte aktiviert sein. Meines Wissens nach werden VoIP-Telefonate von keinem der Schweizer Mobilfunkanbieter blockiert - es kann jedoch sein, dass "im Kleingedruckten" der Anbieter eine solche Nutzung ausgeschlossen wird. Nach meinem Wissen -und ich bin weder Anwalt noch mache ich hier Rechtsberatung- hatte das bislang aber noch keinerlei bekannt gewordene Konsequenzen für irgend jemanden.
Zuletzt geändert von abg am 20 Mär 2020, 12:53, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: +winet

abg
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Re: Hotline einrichten für kleinen Bedarf (VoIP, Mobiltelefon, Skype)

Beitrag von abg »

Variante 3: Skype mit Koppelung an Festnetznummer
(folgt -wenn jemand dazu etwas schreibt; ich verwende das nicht und habe es nie verwendet).

Pascal
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Re: Hotline einrichten für kleinen Bedarf (VoIP, Mobiltelefon, Skype)

Beitrag von Pascal »

Hallo
Ich plane gerade so etwas in grösserem Massstab und wurde auf deine Posts aufmerksam gemacht. Kannst du mir eine Kontaktmöglichkeit auf
contact und dann das bekannte Zeichen itmedia.ch
schicken?
Danke!

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